Im Blickpunkt: die Krankheit Endometriose

Wenn sich Zellen verirren

@iStockphoto/Marcela Barsse
@iStockphoto/Marcela Barsse

Endometriose ist die zweithäutigste gynäkologische Erkrankung von Frauen, schätzungsweise leidet etwa jede 10. Frau darunter. Bei den Betroffenen siedeln sich Gebärmutterschleimhautzellen außerhalb der Gebärmutterhöhle meist im Bauchraum an, z. B. an den Eierstöcken, an der Blase oder am Darm. Das ist nicht grundsätzlich gefährlich oder behandlungsbedürftig, oft aber mit Schmerzen oder anderen negativen Folgen verbunden.

 

Viele Anzeichen, keine klaren Symptome

Bei vielen Frauen dauert es Jahre, bis erkannt wird, dass gewisse Beschwerden oder Gesundheitsprobleme auf eine Endometriose zurück zu führen sind.

 

Denn Anzeichen wie

  • starke Schmerzen während der Monatsblutung
  • wiederkehrende Schmerzen im Unterbauch, besonders in der zweiten Hälfte des Monatszyklus
  • verstärkte Monatsblutung, Zwischenblutungen
  • Bauch- und Rückenschmerzen, die eventuell in die Beine ausstrahlen
  • Schmerzen beim oder nach dem Sex
  • Schmerzen bei gynäkologischen Untersuchungen
  • Schmerzen beim Stuhlgang oder beim Wasserlassen
  • Blutungen aus Blase oder Darm
  • Blähungen, Durchfall oder Verstopfung

 

können auch ganz andere Ursachen haben. Typisch für eine Endometriose ist, dass die Stärke der Beschwerden im Laufe des weiblichen Zyklus schwankt und ihren Höhepunkt kurz vor oder während der Monatsblutung erreicht. Mit Zyklusbeginn verbessert sich die Situation erst einmal wieder. Klar wird somit: Die Endometrioseherde verhalten sich wie Schleimhautzellen in der Gebärmutter, sie wachsen und werden, wenn keine Schwangerschaft entsteht, zum Ende des Zyklus wieder abgebaut. Mit Einsetzen der Wechseljahre lassen folgerichtig die Beschwerden spürbar nach und verschwinden, wenn die Periode ausbleibt, ganz.

 

Häufige Ursache für Unfruchtbarkeit

Siedeln sich die Gebärmutterschleimhautzellen beispielsweise an den Eileitern an und führen dort zu Verklebungen oder Verwachsungen, wird die Wanderung der Eizellen in die Gebärmutter behindert. Eine mögliche Folge ist die ungewollte Kinderlosigkeit.

 

Warum geraten die Zellen auf Abwege

Auf diese Frage gibt es keine definitive Antwort, aber zwei vorherrschende Theorien. Eine geht davon aus, dass die Zellen tatsächlich aus der Gebärmutterhöhle stammen und dann in den Bauchraum gelangen. Dies wäre möglich über die Blut- und Lymphgefäße, bei einer Operation oder wenn Schleimhautzellen bei der Monatsblutung durch die Eileiter in die Bauchhöhle gelangen. Die zweite Theorie geht von einer Neubildung der Schleimhautzellen außerhalb der Gebärmutter aus.

 

Darüber hinaus hat man zwei wichtige Aspekte festgestellt. Offensichtlich scheint eine gewisse Veranlagung zu Endometriose erblich zu sein. Und in erster Linie sind Frauen betroffen, die viele Monatsblutungen haben (erste Periode in sehr jungen Jahren, verkürzte Zyklen).

 

Untersuchungen geben Gewissheit

Es gibt keinen Bluttest oder ähnliche Verfahren, um eine Endometriose festzustellen. Sichtbar werden größere Endometriosebereiche meist bei einer Ultraschalluntersuchung durch die Scheide. Bei entsprechenden Symptomen kann auch eine Ultraschalluntersuchung des Bauches angebracht sein. Dabei lässt sich z.B. feststellen, ob die Herde auf die Harnleiter drücken und so einen Harnstau in der Niere verursachen.

 

Besonders sichere Ergebnisse auch bei kleineren Endometriosebereichen bietet die Bauchspiegelung im Schlüssellochverfahren (Laparoskopie). Dabei werden über mehrere kleine Hautschnitte dünne optische Instrumente in den Bauchraum eingeführt, die eine Betrachtung der Bauchhöhle und der darin liegenden Organe ermöglichen. Bei Verdacht auf Endometriose können Gewebeproben entnommen und anschließend unter dem Mikroskop untersucht werden. So lässt sich der Krankheitsverdacht bestätigen. Bei unerfülltem Kinderwunsch besteht außerdem die Möglichkeit, im Rahmen der Bauchspiegelung die Durchgängigkeit der Eileiter zu überprüfen und betroffene Stellen ggf. zu behandeln.

 

Bei einer nachgewiesenen Endometriose ist das weitere Vorgehen davon abhängig, wo die Herde liegen, wie groß sie sind und welche Beschwerden sie verursachen. Linderung kann - immer abhängig vom Einzelfall - schulmedizinisch u.a. durch die „Pille", „Hormonspirale", spezielle hormonelle Therapien oder schmerz- und krampflösende Medikamente erzielt werden. Zudem besteht die Möglichkeit zur operativen Entfernung der Zellen.

 

Auch naturheilkundliche Verfahren werden zur Behandlung erfolgreich eingesetzt.

Generell gilt: Die Endometriose ist eine gutartige Erkrankung. Extrem selten gibt es eine bösartige Veränderung. Nehmen Sie Schmerzen und andere Gesundheitsprobleme deshalb niemals als gegeben hin, sondern suchen Sie immer das Gespräch mit Ihrer Fachärztin / Ihrem Facharzt für die Frau.