Wie das Ungeborene mit der Mutter fühlt

In engster Verbundenheit

@iStockphoto/Aldo Murillo
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Freude, Neugier und unendliche Liebe, aber auch Unsicherheit und Sorgen - kaum eine Zeit ist für Frauen so stark von Gefühlen geprägt wie die Schwangerschaft. An diesen Emotionen nimmt das ungeborene Kind von Anfang an teil - je weiter es entwickelt ist, desto intensiver.

 

Über die Nabelschnur spürt das Kind, wenn z. B. das Herz der Mutter schneller schlägt, wenn die Atmung sich beschleunigt oder Stresshormone ausgeschüttet werden. Es registriert, ob die Mutter sich ruhig oder hektisch bewegt, ob ihre Stimme weich und harmonisch oder hart und angespannt klingt. Und natürlich nimmt das Ungeborene auch deutlich wahr, wenn die Mutter zärtlich die Hände auf „ihren Babybauch" legt und mit ihm in Kontakt tritt. Alles in allem findet also eine intensive Kommunikation zwischen beiden statt.

 

Emotionen prägen schon vor der Geburt 

Durch die Mutter sammelt das Kind noch vor der Geburt Erfahrung mit den verschiedensten Gefühlszuständen. Sei es Aufregung, Freude oder Angst - im Bauch, über Hormone, Stimme und andere körperliche Signale fühlt es sozusagen mit. Die vielfältigen Reize stellen für das Kind dabei eine Art Lernerfahrung dar: Im Gehirn entstehen Erregungsmuster, die mit den bereits angelegten Mustern verknüpft und so zu neuen Erfahrungen werden.

 

Bereits vor der Geburt wird auf diesem Wege der Grundstein zur emotionalen Entwicklung des Babys gelegt. Im Mutterleib erlernt das Kind, mit Gefühlen umzugehen, sie zu akzeptieren und zu bewältigen. Je nach Lebenssituation der Mutter und ihrer emotionalen Belastung kann es jedoch auch dazu kommen, dass die Erregungen vom frühkindlichen Gehirn unterdrückt oder besonders intensiv wahrgenommen werden. Solche Kinder neigen später dazu, sich weniger beeindrucken zu lassen oder eher besonders sensibel zu sein. Positiv und ausgleichend machen sich hingegen ein harmonisches Umfeld in der Schwangerschaft und eine liebevolle Beziehung der werdenden Eltern bemerkbar.

 

Risikofaktor Dauerstress

Eine Schwangerschaft, vor allem die erste, stellt per se einen Ausnahmezustand für die Mutter und ihren Körper dar. Immerhin steigt der Östrogenspiegel um das Tausendfache und der gesamte Stoffwechsel stellt sich um. Das Herz schlägt rascher, die Atmung wird schneller, das Gewicht steigt, die Brüste werden größer, häufig verändern sich der Appetit und die Lust auf Sexualität. Doch auch das Leben verändert sich im Laufe der Schwangerschaft; Mutter und Vater stellen sich darauf ein, Eltern zu werden. Stressige Momente sind hier nicht immer zu vermeiden, sei es der notwendige Umzug in eine größere Wohnung oder die verständliche Angst vor der wachsenden Verantwortung. Wird Stress jedoch zur dauerhaften Belastung, z. B. durch Mobbing am Arbeitsplatz oder bei anhaltenden Krisen in der Partnerschaft, kann der ständige negative Druck die Psyche und gesunde körperliche Entwicklung des Kindes nachhaltig beeinträchtigen. So leiden Kinder von Müttern mit dauerhaft hohem Stresspegel häufiger unter Verhaltensauffälligkeiten und einem geschwächten Immunsystem.

 

Daraus resultiert eine große Verantwortung für werdende Eltern und ihr Umfeld. Bei Lebenspartnern, Angehörigen, Freunden und Kollegen sollte ein besonderes Maß an Verständnis und Rücksicht für die werdende Mutter und ihren Nachwuchs selbstverständlich sein. Schwangere, die beruflich oder privat unter Spannung stehen, sollten sich aktiv um Entspannung und Stressbewältigung bemühen. Achten Sie auf sich, hören Sie auf Ihren Bauch und nutzen Sie die Möglichkeiten der modernen Schwangerschaftsvorsorge - was Ihnen gut tut und ein Gefühl von Sicherheit gibt, entspannt auch Ihr ungeborenes Kind.