Vorbeugung beginnt schon im Mutterleib

So nehmen Sie Ihr Kind in Schutz

©iStockphoto/pixelfit
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Jedes dritte Kind in Deutschland leidet an Allergien - Tendenz steigend. So zählen Asthma, Heuschnupfen & Co. schon heute zu den häufigsten chronischen Erkrankungen im Kindesalter. Aber was sind die Gründe? Und was können Eltern präventiv tun?

 

 

Die Ursachen sind vielfältig

Die Wissenschaft hat längst bewiesen, dass die Vererbung bei der Allergieentstehung eine große Rolle spielt. Mittlerweile wird das Risiko klar beziffert: Ist ein Elternteil allergisch, wird auch das Kind zu 30 % Allergiker. Sind beide allergisch, beträgt das Risiko bereits 60 %. Leiden beide Eltern unter der gleichen Allergie, steigt das Risiko um weitere 10 %. Ist ein Geschwisterkind bereits von einer Allergie betroffen, beträgt das Risiko für das folgende Kind 25 %. Fest steht darüber hinaus, dass unser Lebensstil die Allergierate erhöht. Das zeigt z. B. der deutliche Anstieg an Erkrankungen, der nach der „Wende" bei Kindern in den neuen Bundesländern zu verzeichnen war. Seitdem sich Umweltbelastung, Lifestyle und Ernährung in Ost und West einander fast völlig angeglichen haben, ist auch die Allergierate weitgehend identisch. Und das macht deutlich: Ganz offensichtlich gibt es Risiko-Faktoren, die wir selbst beeinflussen können.

Dazu 6 wichtige Tipps:

Tipp 1: Gesund essen, dem Baby zuliebe

Dass Schwangere in Punkto Kalorien nicht für zwei essen müssen und sollten, ist weitgehend bekannt. Wenn es aber um Nährstoffe geht, besteht ein deutlicher Mehrbedarf - unter anderem an Eiweiß, Eisen, Folsäure, Jod, Zink, mehrfach ungesättigten Fettsäuren und Vitamin D. Dieser lässt sich nur über eine ausgewogene und qualitativ hochwertige Ernährung decken, ggf. unterstützt durch die Einnahme von guten Nahrungsergänzungspräparaten. Neben Milchprodukten, Fleisch, Geflügel, Fisch und Eiern für die Eiweißzufuhr zählen Obst, Gemüse, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse und hochwertige Öle zur idealen Kost. Wird daraus ein abwechslungsreicher Speiseplan zusammengesetzt, sind beste Voraussetzungen gegeben, um die Schutzfaktoren des Ungeborenen zu stärken und sein Immunsystem von Anfang an in die richtigen Bahnen zu lenken.

 

Tipp 2: Sparen Sie nicht am Fett

Womit nicht die Menge, sondern die Qualität gemeint ist: Wertvolle Omega-3-Fettsäuren, in Hochseefischen und bestimmten Pflanzenölen (Leinöl, Rapsöl, Walnussöl) enthalten, bieten einen gewissen Schutz vor Neurodermitis und Allergien. Margarine, gehärtete Fette und Öle mit einem hohen Omega-6-Fettsäure-Gehalt (z. B. Distel-, Sonnenblumen-, Soja- und Maiskeimöl) scheinen hingegen die Entstehung von allergischen Erkrankungen zu begünstigen. Vor diesem Hintergrund sollten werdende Mütter großen Wert legen auf die Auswahl der richtigen Fette, regelmäßig frischen Fisch essen und zusätzlich in der Küche kalt gepresstes Olivenöl verwenden.

 

Tipp 3: Stillen ist gut für die Darmflora

Gestillte Kinder leiden (insbesondere anfangs) seltener unter Magen-Darm-Infekten und Durchfällen und bilden eine wesentlich günstigere Darmflora aus. Vor allem Kaiserschnitt-Kinder sollten frühzeitig angelegt werden: Sie kommen, anders als beim natürlichen Geburtsvorgang, nicht mit Keimen der Mutter in Kontakt - eine wertvolle Prägung für das Immunsystem fehlt ihnen deshalb. Wichtig: Die Ernährung ist in der Stillzeit genauso bedeutend wie während der Schwangerschaft.

Tipp 4: Meiden Sie Nikotin und Rauch

Untersuchungen belegen: Tabakkonsum und Passivrauchen steigern selbst in geringen Mengen das Allergie-Risiko des Kindes. Insbesondere die Zahl der Asthmafälle steigt signifikant an, wenn Frauen in der Schwangerschaft oder Stillzeit aktiv oder passiv rauchen und kleine Kinder Tabakrauch ausgesetzt sind.

 

Tipp 5: Sorgen Sie für ein gutes Klima

Schimmelpilze und Schadstoffe, welche die Schwangere oder das Neugeborene mit der Atemluft aufnehmen, sind ebenso kritisch zu betrachten wie Tabakrauch. Bevorzugen Sie deshalb natürliche Materialien in Ihrer Wohnung und versuchen Sie, den Einsatz von Chemie einzudämmen.

 

Tipp 6: Leben Sie nicht keimfrei

Ob es die Handvoll Dreck ist, der Besuch auf dem Bauernhof oder der vertauschte Löffel im Kindergarten: Damit sich das kindliche Immunsystem ausprägen kann, muss es mit Fremdstoffen konfrontiert werden. Das ist wie ein Training: das Immunsystem wird geschult und lernt, „normal zu reagieren", insbesondere im Hinblick auf Umweltfaktoren wie z. B. Pollen. Diese können zwar Allergien auslösen, aber letztlich ist es unmöglich, ihnen aus dem Wege zu gehen. Je besser jetzt das Immunsystem ausgebildet ist, desto geringer ist das Risiko, dass der Körper solche harmlosen Substanzen nun als „Gefahr" einschätzt und überreagiert.