Weil jede Frau einzigartig ist

©iStockphoto/Ana Abejon
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Wie viel Vorsorge und Begleitung braucht die Frau? Darauf geben Gynäkologen und gesetzliche Krankenkassen völlig verschiedene Antworten. Während die Kassen eine Regelvorsorge in größeren Zeitabständen für ausreichend halten, verweisen die Mediziner auf aktuelle Forschungserkenntnisse – und auf das Recht der Frauen, keinen unnötigen Risiken ausgesetzt zu sein.

Beispiel Gebärmutterkrebs

Die HPV-Impfung bietet Frauen einen wichtigen Schutz vor Gebärmutterhalskrebs. Deshalb gehört sie seit einigen Jahren zur gesetzlichen Grundvorsorge bei 12- bis 17-jährigen Mädchen. Ein Restrisiko bleibt trotzdem: Nach heutigem Kenntnisstand wird der Gebärmutterhalskrebs bei einer von drei Patientinnen von einem HP-Virustyp verursacht, gegen den die Impfung nichts ausrichten kann. Ein regelmäßiger Zell-Abstrich ist also unerlässlich, um frühzeitig Vorstufen zu identifizieren, die noch keine Beschwerden verursachen. Und obwohl Gebärmutterhalskrebs nach Brustkrebs an zweiter Stelle der krebsbedingten Todesursachen bei Frauen unter 45 Jahren steht, wird mancherorts bereits über mehrjährige Pausen zwischen den Krebsvorsorgeterminen nachgedacht.

©iStockphoto/Eric Hood
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Beispiel Brustkrebs

Die gesetzliche Regelvorsorge sieht Brustkrebs vor allem als Gesundheitsrisiko älterer Frauen an. Übernommen wird ab dem 30. Lebensjahr einmal jährlich das Abtasten der Brust durch die Gynäkologin / den Gynäkologen, vom 50. bis 69. Lebensjahr alle zwei Jahre eine Mammografieuntersuchung. Experten weisen jedoch darauf hin, dass in den letzten Jahren die Zahl der Frauen gestiegen ist, die zwischen dem 35. und 45. Lebensjahr an Brustkrebs erkrankt sind. Die Gründe dafür sind ungeklärt, möglicherweise wirkt sich die zunehmende Belastung der Umwelt mit hormonähnlichen Substanzen aus. Tatsache ist aber: Je früher Brustkrebs erkannt wird, desto höher sind die Heilungschancen. Und eine wirkungsvolle Früherkennung bedarf nun mal angemessener Untersuchungsintervalle und moderner Methoden wie z. B. Ultraschalluntersuchungen.

Weniger Standards, mehr Verständnis für die Frau

Diese Überzeugung prägt die aktive Gesundheitsvorsorge in der gynäkologischen Praxis. Frauenärzte möchten moderne Verfahren nutzen, zugleich aber auch auf die persönliche Situation der Patientin eingehen. Vorerkrankungen, besondere Belastungen und individueller Lebensstil – das alles zählt, wenn es um die Einschätzung von Gesundheitsrisiken und Entwicklung von Behandlungsstrategien geht. Dabei ist auch der „Experte für die Frau“ gefragt: Der weibliche Körper funktioniert nun mal nicht wie der männliche, er reagiert anders und stellt eine Reihe spezifischer Anforderungen. Das liegt vor allem an der Körperzusammensetzung der Frau und ihrer hormonellen Situation, die sich in den Wechseljahren wiederum gravierend verändert. Wissenschaftler bestätigen: Allein das Wechselspiel zwischen Genen, Hormonen und Stoffwechsel ist extrem komplex. Für Forscher und Wissenschaftler eine enorme Herausforderung!

 

Ein Blick in die Zukunft

Die personalisierte Medizin setzt darauf, die hochkomplizierten und sehr speziellen Abläufe im Körper noch besser zu verstehen. Schon heute können Tests an Tumorzellen verlässliche Erkenntnisse liefern, ob nach der Brustkrebs-Operation eine Chemotherapie angeraten ist oder eine hormonelle Behandlung ausreicht. In Zukunft soll das genetische Profil von Tumoren weiter entschlüsselt werden, so dass z. B. eine Chemotherapie noch besser auf die Bedürfnisse der Patientin zugeschnitten werden kann – für schnellere, gezieltere Behandlungserfolge ohne unnötige Nebenwirkungen. Als Gesundheitsbegleiter der Frau können Gynäkologen solche Entwicklungen natürlich nur unterstützen.

 

Bessere Vorsorge heißt weniger Sorgen

Wo auch immer die moderne Hochleistungsmedizin hinführen wird: Für die Patientin zählt natürlich zu allererst, gesund zu sein und zu bleiben. Deshalb sollte man die umfassende Vorsorge und intensive Betreuung in der frauenärztlichen Praxis als eine Chance verstehen, die man selbstverständlich ergreift. Oder wie es eine Patientin einmal formulierte: „Ich bin es mir und meinem Körper einfach schuldig.“